Fragen und Antworten zur Vereinbarkeit von Pflege und Beruf
- Was mache ich, wenn ich mich ganz plötzlich in einer Pflegesituation befinde? Was mache ich, wenn ich mich ganz plötzlich in einer Pflegesituation befinde?
„In Krisen: Entscheidungen verlangsamen!“
Handeln Sie nicht überstürzt, sondern nutzen Sie z.B. die Möglichkeit, sich bis zu zehn Tage von der Arbeit freistellen zu lassen, um in Ruhe die nächsten Schritte zu planen, sich beraten zu lassen und Unterstützung zu organisieren.
Lesen Sie mehr über Ihre Rechte und Möglichkeiten in der Pflegebroschüre des Bundesministeriums für Gesundheit „Ratgeber Pflege“
- Was ist Pflegezeit? Was ist Pflegezeit?
Die Pflegezeit ist eine Möglichkeit, sich von der Arbeit freistellen zu lassen, falls ein Pflegefall in der Familie auftritt. Bei einem überraschend eintretenden Pflegfall, haben Sie das Recht, sich bis zu zehn Tage von der Arbeit freistellen zu lassen um in dieser Zeit Regelungen für den Alltag zu treffen.
Sollten Sie eine längere Pflegephase selbst bestreiten wollen, können Sie sich bis zu sechs Monate befreien lassen (in Betrieben mit über 15 Beschäftigten). In dieser Zeit erhalten Sie kein Gehalt, bleiben jedoch sozialversichert. Informationen zum Pflegezeitgesetz finden Sie z.B. im Flyer „das neue Pflegezeitgesetz“ [Download]
- Wie kann ich mich auf einen Pflegefall in der Familie vorbereiten? Wie kann ich mich auf einen Pflegefall in der Familie vorbereiten?
Sprechen Sie frühzeitig über Vorkehrungen für einen eventuell eintretenden Pflegefall in der Familie. Auch wenn dieses Thema schwierig sein kann – für den Fall, dass die Situation eintritt, sind so alle Beteiligten vorbereitet und über die jeweiligen persönlichen Vorstellungen informiert. Es ist auch sinnvoll über Vollmachten etc. zu sprechen, um für den Ernstfall gewappnet zu sein. (Siehe auch: „Wer beantragt Unterstützungsleistungen?“)
- Gibt es eine Checkliste für Fragen und Themen, mit denen ich mich beschäftigen sollte, wenn der Pflegefall in meiner Familie eintritt? Gibt es eine Checkliste für Fragen und Themen, mit denen ich mich beschäftigen sollte, wenn der Pflegefall in meiner Familie eintritt?
Ja, es gibt verschiedene Flyer und Broschüren, die Ihnen genau in dieser Situation helfen sollen, z.B. von der Landesstelle Pflegende Angehörige [Download] oder vom Kreis Steinfurt [Download]
- Was kann ich tun, um mich zu entlasten? Was kann ich tun, um mich zu entlasten?
Suchen Sie nach einer Gesprächsgruppe/Selbsthilfegruppe für pflegende Angehörige oder Angehörige von Alzheimer-/Demenzerkrankten in Ihrer Nähe. Fragen Sie nach bei der örtlichen Pflegeberatungsstelle oder der Landesarbeitsgemeinschaft der Alzheimergesellschaften Nordrhein-Westfalen (Tel. 0211-24086910).
Demenz-Servicezentren (regionale Angebote) Übersicht unter: www.demenz-service-nrw.de
- Welche Unterstützung gibt es für pflegende Angehörige? Welche Unterstützung gibt es für pflegende Angehörige?
Für pflegende Familienangehörige gibt es zahlreiche Hilfsangebote. Sie unterstützen dabei, die neue Aufgabe zu bewältigen und sie zeigen Wege auf, wie man bei der Pflege entlastet werden kann.
So bieten die Pflegekassen kostenlose Kurse an, in denen Grundkenntnisse der häuslichen Pflege vermittelt werden. Sie reichen vom Rücken schonenden Heben bis zum richtigen Nutzen von Hilfsmitteln.
Kurzzeitpflege ist in den meisten Fällen eine Entlastung für pflegende Angehörige, in denen ein pflegebedürftiger Mensch vorübergehend nicht zu Hause betreut werden kann, beispielsweise während der Urlaubszeit. In Kurzzeitpflege-Einrichtungen werden die Gäste pflegerisch, medizinisch und sozial betreut.
Nachtpflege bietet sich in den Fällen an, in denen ältere Menschen tagsüber in ihrer vertrauten Wohnung leben, aber z.B. nachts in einer teilstationären Einrichtung betreut werden müssen. Tagespflege ermöglicht Tagesstrukturierung und fördernde Betreuung in einer Gruppe, aus der die Teilnehmer nachmittags wieder nach Hause zurückkehren.
Informationen gibt es bei den Pflegekassen, den Wohlfahrtsverbänden und bei privaten Anbietern.
Quelle: http://www.bmfsfj.de/
- Was sind Unterstützungsleistungen? Was sind Unterstützungsleistungen?
Wenn die Leistungen aus der Pflegekasse zusammen mit Ihrem persönlichen Einkommen und Vermögen (und dem Ihres von Ihnen nicht getrennt lebenden Partners) nicht ausreichen, um die notwendige Pflegeleistung zu finanzieren, kommt der Bezug von Sozialhilfeleistungen in Betracht. Sie können nach einer Prüfung Ihrer Einkommens- und Vermögensverhältnisse dann Leistungen der Hilfe zur Pflege (Sozialgesetzbuch XII – Sozialhilfe) beantragen. Der Antrag hierfür ist an das zuständige Sozialamt zu stellen.
Quelle: www.caritas.de
- Wer beantragt Unterstützungsleistungen? Wer beantragt Unterstützungsleistungen?
Leistungen der Pflegeversicherung oder Zuschüsse vom Sozialamt muss die (versicherte) zu pflegende Person selbst beantragen. Ist die Person z.B. durch Demenzerkrankung nicht mehr in der Lage, solche Anträge zu stellen, muss eine gesetzliche Betreuung für diese Person eingerichtet werden (ehemals „Vormundschaft“).
Hilfreich ist es, wenn für einen solchen Fall Regelungen getroffen werden, bevor die Situation selbst eintritt. So kann die zu pflegende Person frühzeitig Vollmachten erteilen (z.B. Kontovollmacht, Vorsorgevollmacht) oder eine Patientenverfügung zu gewünschten oder unerwünschten medizinischen Behandlungen erstellen.
- Wer bezahlt die Pflege? Wer bezahlt die Pflege?
Wird der zu pflegenden Person eine Pflegestufe zuerkannt, erhält man Leistungen von der Pflegeversicherung. Reichen diese nicht aus oder wird keine Pflegstufe zuerkannt, müssen die Kosten privat getragen werden. Bei Bedürftigkeit kann das Sozialamt Zuschüsse geben („Hilfe zur Pflege“).
- Welche Leistungen gibt es in der Pflegeversicherung? Welche Leistungen gibt es in der Pflegeversicherung?
Die Pflegeversicherung bietet Geldleistungen, Sachleistungen oder so genannte Kombinationsleistungen an. Sie können sich in einer Pflegeberatungsstelle in Ihrer Nähe informieren, welche Leistungen für Ihre Situation geeignet sind.
- Wofür stehen die unterschiedlichen Pflegestufen? Wofür stehen die unterschiedlichen Pflegestufen?
Eine Pflegestufe bekommt zuerkannt, wer einen bestimmten, festgelegten Pflege- und Hilfebedarf hat und u.a. Unterstützung bei Körperpflege, Ernährung oder Mobilität benötigt.
Pflegestufe Pflege- und Hilfebedarf I: erheblich Pflegebedürftige mind. 90 Min/Tag II: Schwerpflegebedürftige mind. 3 Stunden/Tag III: Schwerstpflegebedürftige mind. 5 Stunden/Tag Detaillierte Informationen zu den einzelnen Pflegestufen erhalten Sie z.B. in der Broschüre „22 Fragen zum Thema Häusliche Pflege“ oder im „Ratgeber Pflege“ des Bundesministeriums für Gesundheit.
- Woran erkenne ich einen guten Pflegedienst? Woran erkenne ich einen guten Pflegedienst?
Es gibt sowohl private Pflegeanbieter als auch Pflegeangebote der Wohlfahrtsverbände. Alle Anbieter von ambulanter Pflege müssen durch die Pflegekassen zugelassen werden und sind dann gesetzlich zur Qualitätssicherung verpflichtet.
Überprüfen Sie aber neben Qualitätszertifikaten vor allem auch die Angebotspaletten verschiedener Anbieter, vergleichen Sie Kosten und lassen Sie sich Auskunft darüber geben, ob ein Anbieter möglichst immer dieselben MitarbeiterInnen schickt. Kontinuität ist für eine pflegebedürftige Person oft sehr wichtig.
- Kann ich eine Haushaltshilfe aus Osteuropa einstellen, die mir bei der Pflege hilft? Kann ich eine Haushaltshilfe aus Osteuropa einstellen, die mir bei der Pflege hilft?
Die meisten Angebote für Haushalts- und Pflegehilfen aus Osteuropa (z.B. 24h-Pflege) sind in Deutschland nicht erlaubt. Die einzige legale Möglichkeit ist die Vermittlung über die Agentur für Arbeit. Hierfür müssen aber bestimmte Bedingungen erfüllt sein. Lesen Sie mehr unter folgendem [Link].
- Wie lange kann eine Pflegeperson im eigenen zuhause bleiben? Wie lange kann eine Pflegeperson im eigenen zuhause bleiben?
Pflegebedürftige Menschen können oft lange im eigenen Zuhause bleiben – vorausgesetzt sie haben ausreichend soziale Kontakte (z.B. Familie in der Nähe oder eine gute Nachbarschaft) und es ist für ihre Sicherheit gesorgt. Z.B. bieten viele ambulante Pflegedienste so genannte Notfallknöpfe an, die eine pflegebedürftige Person im Ernstfall drücken kann, um Hilfe zu holen wenn er/sie allein lebt. Weitere Informationen über privates Wohnen von Pflegebedürftigen und mögliche Unterstützungsleistungen (z.B. Hilfsmittel, Treppenlift etc.) erhalten Sie bei Ihrer örtlichen Wohnberatungsstelle. Kontaktadressen und Telefonnummern finden Sie unter: www.wohnberatungsstellen.de
- Wie finde ich eine gute Pflegeeinrichtung? Wie finde ich eine gute Pflegeeinrichtung?
Es gibt ein Notensystem nach dem neuerdings alle Pflegeeinrichtungen in Deutschland bewertet werden. Lesen Sie mehr hierüber auf der Seite www.pflegenoten.de. Hier können Sie auch auf die Veröffentlichungen über die einzelnen Pflegeeinrichtungen und ambulanten Dienste zugreifen.
Gute ist es allerdings immer auch, sich ein Pflegeheim persönlich anzuschauen, am besten gemeinsam mit der zu pflegenden Person. Lassen Sie sich informieren über mögliche Besichtigungen und fragen Sie nach, ob es Möglichkeiten der Kurzeitpflege oder zum probewohnen gibt.
- Wo kann ich beraten werden? Wo kann ich beraten werden?
Es gibt in den meisten Städten und Kreisen Pflegeberatungsstellen, die Beratung rund um das Thema Pflege anbieten.
- Wie finde ich eine Pflegeberatungsstelle in meiner Nähe? Wie finde ich eine Pflegeberatungsstelle in meiner Nähe?
Auf der Internetseite des Ministeriums für Arbeit, Integration und Soziales finden Sie eine Datenbank mit allen Kontaktdaten von Pflegeberatungsstellen in NRW. [Link]
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